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US-Serien glänzen mit dem Vorspann

Kunstvolle Eröffnungen

US-Serien wie "Breaking Bad" und "Dexter" machen es vor: Der Vorspann ist im besten Falle ein eigenständiges Kunstwerk, das zentrale Aspekte der Geschichte auf originelle Weise vorwegnimmt. Die Interpretation dieser kreativen Eröffnungen ist gewissermaßen eine Wissenschaft für sich. Im Grunde lassen sich drei Kategorien unterscheiden.

1. Vorstellung der Protagonisten


Der Klassiker: Bei dieser Form des Vorspanns werden die einzelnen Hauptfiguren eingeblendet. Der Fokus auf die Protagonisten macht Sinn, immerhin ist die dauerhafte Identifikation mit den Helden ein wesentliches Merkmal serieller Erzählformen. Sehr beliebt ist dieses Intro bei Daily Soaps wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", bei der die Darsteller die undankbare Aufgabe haben, in forciert lockerer Pose und gestellt wirkendem "Alles ist dufte"-Lächeln in die Kamera zu schauen. Deutlich angenehmer ist die Figurenvorstellung anhand einer Montage diverser Szenen. Dass diese Art der Eröffnung durchaus knackig sein kann, haben Serien wie "Emergency Room" und "Buffy the Vampire Slayer" bewiesen. Besonders letztere etabliert mit ihrem rockigen Titelsong der Punk-Band Nerf Herder die subversive Attitüde dieses cleveren TV-Klassikers um die unangepasste Vampirjägerin Buffy.

2. Ambitionierte Collage


Statt die einzelnen Charaktere vorzustellen, bevorzugen viele Intros ein kunstvoll arrangiertes Mosaik verschiedener Impressionen, die auf zentrale Motive der Serie verweisen. Ein ambitioniertes Beispiel ist "Six Feet Under". Der Vorspann zeigt morbid anmutende Bilder blasser, lebloser Körper auf ihrem Weg unter die Erde. Passend dazu ertönt ein schräger, zugleich wehmütiger Sound, der den Mix aus schwarzem Humor und melancholischem Porträt einer Familie von Leichenbestattern unterstreicht. In "Six Feet Under" ist der Tod allgegenwärtig – das wird bereits im Vorspann deutlich. Auch "Dexter" beginnt überaus originell. Im Grunde wird bloß der Titelheld nach dem Aufstehen gezeigt. Allerdings wird jede noch so profane Handlung als martialischer Akt inszeniert. Selbst das Auspressen einer Orange und das Binden eines Schnürsenkels wirkt in Nahaufnahme wie ein Gewaltakt – passend zum Protagonisten, der ein Doppelleben als Ermittler und Serienkiller führt.

3. Minimalistische Logo-Einblendung


Das Gegenprogramm bildet die simple Einblendung des Serientitels. J.J. Abrams hat mit "Alias", "Fringe" und vor allem "Lost" dazu beigetragen, dass sich diese Form des Vorspanns in den 2000ern etabliert hat. "Grey's Anatomy" etwa hat in den ersten Staffeln mit einem originellen Intro geglänzt, in dem chirurgische Instrumente zu Beauty-Utensilien und Abendkleider zu OP-Kitteln werden – so wie auch die Serie nahtlos zwischen medizinischem Drama und Romanze changiert. Inzwischen wird nur kurz der "Grey's Anatomy"-Schriftzug eingeblendet, der im Vergleich wesentlich einfallsloser wirkt.

Nichtsdestotrotz haben auch die minimalistischen Intros ihren Reiz – wenn man es richtig macht! Ein hervorragendes Beispiel bietet "Breaking Bad". Im Intro werden chemische Elemente eingeblendet, die allmählich in die Worte Breaking Bad übergehen. Ganz so, wie der Protagonist Walter White im Verlauf der Serie vom harmlosen Chemielehrer zum Bösewicht wird. Ein Intro, dessen Hintergrundfarben so giftgrün sind, wie die verheißungsvollen Dollarscheine, die den Helden in den Abgrund stürzen. Ein Intro, das in nur 18 Sekunden den Kern dieser brillanten Serie illustriert.

Carlos Corbelle

Weitere Infos über die Serie "Breaking Bad" bietet serienjunkies.de