Musiker und Schauspieler: Hugh Laurie - © Warnermusic

Hugh Lauries Blues-Album Didn't it Rain

Herausragendes Zweitwerk

Da macht sich einer auf, einen arg ramponierten Ruf wieder herzustellen: Mit seinem zweiten Blues-Album "Didn't it Rain" beweist Schauspieler Hugh Laurie endgültig, dass die Ausflüge seines Berufsstandes in musikalische Gefilde nicht immer Fremdschämen hervorrufen müssen. Ganz im Gegenteil: Der Nachfolger des gefeierten Langspielers "Let them Talk" aus dem Jahre 2011 erweist sich als Perle zeitgenössischer Interpretation großer Blues-Klassiker.

Abwechslungsreich und freigeistig

"Didnt't it Rain" präsentiert sich dabei deutlich abwechslungsreicher und freigeistiger als der Vorgänger. Mehr Schwung, musikalische Verspieltheit und zahlreiche hochdekorierte Gastmusiker und –musikerinnen verleihen dem Album ein hörbares Eigenleben. Die LP hat Identität – und damit die wichtigste Grundzutat, um aus guter Blues-Musik herausragende zu machen.

Dieses musikalische Eigenleben der Platte könnte – insbesondere bei weltbekannten Stücken wie "One for my Baby" und "Unchain my Heart" - durchaus schief gehen. Tut es aber nicht. Der "Dr. House"-Darsteller entwickelt bei beiden Klassikern ein erstaunliches Gefühl für den richtigen Ton. Die kratzig-rauchige Stimme des Briten präsentiert sich in diesen Momenten als ausgezeichnete Ergänzung zur instrumentalen Untermalung und den dezent eingesetzten elektronischen Spielereien. Weder Frank Sinatra noch Ray Charles dürften sich ob dieser feinen Interpretationen im Grab umdrehen.

Trotzdem sind die heimlichen Perlen des Albums jene Stücke, in denen sich Laurie als Sänger zurücknimmt und sich auf sein Klavierspiel konzentriert. Was nämlich in Zusammenarbeit mit den Gastsängerinnen entsteht, ist schlichtweg schön: So liefert Jean McClain in "I Hate a Man Like You" ein schillerndes Beispiel für vertonten Liebeskummer ab.

Und während sich die Guatemaltekin Gaby Moreno in "Kiss of Fire" noch einen gesanglichen Schlagabtausch mit Hugh Laurie liefert, übernimmt sie in "The Weed Smoker's Dream" alleine die Hauptrolle. Heraus kommt ein Stück, in dem der Gesang den Drogendunst zu einer betörenden Verheißung stilisiert. Eine Frage bleibt indes unbeantwortet: Ist das ein Engel oder ein Teufel, der da singt? Angesichts der musikalischen Versuchung, die Gaby Moreno heraufbeschwört, scheint beides möglich.

Hugh Laurie: Ein Musiker von Rang

Spätestens mit "Didn't it Rain" hat sich Hugh Laurie endgültig als Musiker von Rang etabliert. Sein Zweitwerk ist ein Ohrenschmaus ohne gravierende Schwächen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Brite das genauso sieht und weitere Langspieler folgen lässt. Das dürfte jedoch eine ganze Weile dauern: Im Juni und Juli 2013 ist Laurie erst mal auf Tour. Der Blues hält Einzug in die Konzertsäle Europas - auf deutschem Boden gibt es jedoch leider nur eine Vorstellung: am 7. Juni in Berlin.

Johannes Kallenbach

Eine Liste von Hugh Lauries Blues-Konzerten gibt es auf Drhouseforum.de